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Den zweiten Festivaltag eröffnete die für
mich bisher unbekannte deutsche Band Mars Mushrooms. Dass es sich dabei
nicht etwa um Neulinge handelt, zeigt ihre Vita, die bis ins Jahr 1998
zurückgeht. Die Band, derzeit bestehend aus Michael Schmidt (Gesang,
Gitarre), Christoph von der Heide (Bass, Gesang), Lars Weibßach (Keyboards),
Thomas Kupser (Didgeridoo, Danmoi) und Christof Stellwag (Schlagzeug,
Percussion), ist darüber hinaus auch Veranstalter des Jamkraut-Festivals.
Die Band verwendet den Begriff aber auch um ihre Musik zu beschreiben.


„Jamrock“ oder „Post-Krautrock“ beschreibt
es eben doch nicht ganz. Außerdem trifft sich in dieser selbstgeschöpften
Genrebezeichnung die einmalige Kombination von Musik und Herkunft der Band:
„Jam“musik und fränkisches Sauer“kraut“. Und so begeistern die „Marsis“ mit
ihrer improvisierten Rockmusik und den archaischen Didgeridoo-Klängen ihre
treue Fan-Gemeinde bei teils mehrstündigen Konzerten, von denen keines dem
anderen gleicht, immer wieder aufs Neue.

Ich hatte schon das Vergnügen die Band auf
dem Herzberg Festival eine Woche zuvor zu sehen, wo sie mich schon sehr
beeindruckten. Bei sengender Hitze starteten die sympathischern Musiker aus
dem Frankenland. Leider hatten sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz so
viele Besucher auf dem Gelände eingefunden, was den hohen Temperaturen und
den nur spärlichen Schattenplätzen geschuldet war.


Sie spielten eine Mischung aus Americana,
Blues, Krautrock und Psychedelic Rock, die sie mit Southern Rock verbanden.
Und diese Mischung macht unglaublich viel Spaß, da das Quintett auch noch in
den Stücken reichlich improvisiert. Sounds, die an Bands wie The Allman
Brothers oder The Band erinnerten, kamen auf. Aber es gab auch einige Breaks
mit etwas schrägen Klängen, die dann auch eine Spur Krautrock à la Can & Co.
hervorriefen.

Neben zwei Stücken vom aktuellen Album „Funerals
And Carnivals“, einem von „Milk“ und drei von „Transparent Eyeball“ gab es
auch noch zwei bisher unveröffentlichte Stücke.

Mit „Funerals And Carnivals“ dem
Titelstück ihres aktuellen Albums starteten sie in ihren Gig. Hier wurde
schon deutlich, welches Flair das Didgeridoo im Gesamtsound ausmacht und ihm
eine ganz besondere Note verleiht. Aber auch einige ethnische,
psychedelische Klänge wurden eingebaut. Das Stück besaß einen herrlichen
Groove und so waren die schon Anwesenden gleich von dem
melodischen/rhythmischen Sound der Band gefangen. Und aus dieser
Umklammerung sollten sie auch nicht so schnell wieder entlassen werden.

Neben langen Instrumentalstücken haben sie
auch immer mal wieder kürzere Songs im Programm, wie zum Beispiel „Robert
Downey Jr.“ von ihrem Konzeptalbum „Milk“. Hier sang dann Christoph das
erste Mal. Allerdings bauten sie auch in dieses Stück eine längere
Instrumentalpassage ein.

Während des Konzertes fragte man sich
öfter: „Was wäre, wenn die Allman Brothers als Instrument ein Didgeridoo
eingesetzt hätten? Sie würden teilweise wie Mars Mushrooms klingen!“ Das
Quintett klang durch ihre Americana/Southern-Rock-Einschübe bzw. Nummern
mehrfach sehr nach der amerikanischen Bandlegende.

Ihre Experimentierfreude lebt vor allem
Thomas Kupser aus, der bei einem Stück kurzerhand einen Föhn in der einen
Hand und ein Effektgerät in der anderen hielt und das Mikrophon, in das er
zuvor mit dem Didgeridoo hineingeblasen hatte, mit dem Föhn bearbeitete. Das
ergab einige schräge Klänge, die aber gut ins Gesamtbild passten. In
Finkenbach hat er das zum ersten Mal ausprobiert.


Da Thomas nicht bei allen Stücken seine
Didgeridoos spielte, nutzte er als einziges Bandmitglied die Möglichkeit ins
Publikum zu gehen und sich die Performance seiner Kollegen anzuhören bzw.
anzusehen. Aber auch bei kürzeren Pausen für ihn, ging er bei der Musik der
anderen vier Mitstreitern richtig mit. Nicht nur bei ihm spürte man, dass
sie in ihrer Musik aufgehen. Und das übertrug sich auch auf das Publikum.

Den Abschluss des offiziellen Sets stellte
dann mit „Cabin“ der zweite Track vom aktuellen Album dar. Hier lagen sie
nicht weit von den Allman Brothers entfernt, bei dem nun auch wieder Gesang
geboten wurde. Das begeisterte Publikum forderte zu Recht eine Zugabe, die
mit „Mr. Caveman“ dann auch geliefert wurde. Mars Mushrooms ist eine
grandiose Jam-Band, die als Opener des zweiten Tages eine Wucht waren.
Leider haben das nicht allzu viele Besucher mitbekommen. Die Mushrooms
hätten wahrlich ein größeres Publikum verdient gehabt.

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