Mars Mushrooms
Finkenbach Festival, Finkenbach, 08.08.2026
 


    

Den zweiten Festivaltag eröffnete die für mich bisher unbekannte deutsche Band Mars Mushrooms. Dass es sich dabei nicht etwa um Neulinge handelt, zeigt ihre Vita, die bis ins Jahr 1998 zurückgeht. Die Band, derzeit bestehend aus Michael Schmidt (Gesang, Gitarre), Christoph von der Heide (Bass, Gesang), Lars Weibßach (Keyboards), Thomas Kupser (Didgeridoo, Danmoi) und Christof Stellwag (Schlagzeug, Percussion), ist darüber hinaus auch Veranstalter des Jamkraut-Festivals. Die Band verwendet den Begriff aber auch um ihre Musik zu beschreiben.

     

    

„Jamrock“ oder „Post-Krautrock“ beschreibt es eben doch nicht ganz. Außerdem trifft sich in dieser selbstgeschöpften Genrebezeichnung die einmalige Kombination von Musik und Herkunft der Band: „Jam“musik und fränkisches Sauer“kraut“. Und so begeistern die „Marsis“ mit ihrer improvisierten Rockmusik und den archaischen Didgeridoo-Klängen ihre treue Fan-Gemeinde bei teils mehrstündigen Konzerten, von denen keines dem anderen gleicht, immer wieder aufs Neue.

     

Ich hatte schon das Vergnügen die Band auf dem Herzberg Festival eine Woche zuvor zu sehen, wo sie mich schon sehr beeindruckten. Bei sengender Hitze starteten die sympathischern Musiker aus dem Frankenland. Leider hatten sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz so viele Besucher auf dem Gelände eingefunden, was den hohen Temperaturen und den nur spärlichen Schattenplätzen geschuldet war.

    

     

Sie spielten eine Mischung aus Americana, Blues, Krautrock und Psychedelic Rock, die sie mit Southern Rock verbanden. Und diese Mischung macht unglaublich viel Spaß, da das Quintett auch noch in den Stücken reichlich improvisiert. Sounds, die an Bands wie The Allman Brothers oder The Band erinnerten, kamen auf. Aber es gab auch einige Breaks mit etwas schrägen Klängen, die dann auch eine Spur Krautrock à la Can & Co. hervorriefen.

    

Neben zwei Stücken vom aktuellen Album „Funerals And Carnivals“, einem von „Milk“ und drei von „Transparent Eyeball“ gab es auch noch zwei bisher unveröffentlichte Stücke.

     

Mit „Funerals And Carnivals“ dem Titelstück ihres aktuellen Albums starteten sie in ihren Gig. Hier wurde schon deutlich, welches Flair das Didgeridoo im Gesamtsound ausmacht und ihm eine ganz besondere Note verleiht. Aber auch einige ethnische, psychedelische Klänge wurden eingebaut. Das Stück besaß einen herrlichen Groove und so waren die schon Anwesenden gleich von dem melodischen/rhythmischen Sound der Band gefangen. Und aus dieser Umklammerung sollten sie auch nicht so schnell wieder entlassen werden.

    

Neben langen Instrumentalstücken haben sie auch immer mal wieder kürzere Songs im Programm, wie zum Beispiel „Robert Downey Jr.“ von ihrem Konzeptalbum „Milk“. Hier sang dann Christoph das erste Mal. Allerdings bauten sie auch in dieses Stück eine längere Instrumentalpassage ein.

     

Während des Konzertes fragte man sich öfter: „Was wäre, wenn die Allman Brothers als Instrument ein Didgeridoo eingesetzt hätten? Sie würden teilweise wie Mars Mushrooms klingen!“ Das Quintett klang durch ihre Americana/Southern-Rock-Einschübe bzw. Nummern mehrfach sehr nach der amerikanischen Bandlegende.

    

Ihre Experimentierfreude lebt vor allem Thomas Kupser aus, der bei einem Stück kurzerhand einen Föhn in der einen Hand und ein Effektgerät in der anderen hielt und das Mikrophon, in das er zuvor mit dem Didgeridoo hineingeblasen hatte, mit dem Föhn bearbeitete. Das ergab einige schräge Klänge, die aber gut ins Gesamtbild passten. In Finkenbach hat er das zum ersten Mal ausprobiert.

     

    

Da Thomas nicht bei allen Stücken seine Didgeridoos spielte, nutzte er als einziges Bandmitglied die Möglichkeit ins Publikum zu gehen und sich die Performance seiner Kollegen anzuhören bzw. anzusehen. Aber auch bei kürzeren Pausen für ihn, ging er bei der Musik der anderen vier Mitstreitern richtig mit. Nicht nur bei ihm spürte man, dass sie in ihrer Musik aufgehen. Und das übertrug sich auch auf das Publikum.

     

Den Abschluss des offiziellen Sets stellte dann mit „Cabin“ der zweite Track vom aktuellen Album dar. Hier lagen sie nicht weit von den Allman Brothers entfernt, bei dem nun auch wieder Gesang geboten wurde. Das begeisterte Publikum forderte zu Recht eine Zugabe, die mit „Mr. Caveman“ dann auch geliefert wurde. Mars Mushrooms ist eine grandiose Jam-Band, die als Opener des zweiten Tages eine Wucht waren. Leider haben das nicht allzu viele Besucher mitbekommen. Die Mushrooms hätten wahrlich ein größeres Publikum verdient gehabt.

    

 

 
 

Setlist

Funerals And Carnivals
Robert Downey Jr.
Liqui
d Laughter
Redbird
Elegy
Franklin’s
Cabin

Zugabe

Mr. Caveman

Stephan Schelle, August 2026

Besetzung

Michael Schmidt (Gesang, Gitarre)
Christoph von der Heide (Bass, Gesang)
Lars Weibßach (Keyboards)
Thomas Kupser (Didgeridoo, Danmoi)
Christof Stellwag (Schlagzeug, Percussion)

 

 

 

 

 
  My Sleeping Karma-Konzert

 

 

Spiral Drive-Konzert