|

Die britisch/deutsche Band Epitaph blickt
auf eine lange Karriere zurück, wurde sie doch bereits im Winter 1969/70
gegründet (unter dem Namen Fagin’s Epitaph). Bis heute mit dabei sind Cliff
Jackson (Gitarre, Gesang) und Bernd Kolbe (Bass, Gesang). Bereits im Jahr
1971 verkürzten sie ihren Namen und veröffentlichten ihr selbst betiteltes
Debütalbum (damals noch mit Klaus Walz). Der heute noch zur Band gehörende
Heinz Glass (Akustik-, E-, Slide-Gitarre) stieß im Jahr 1977 zur Band, als
Klaus Walz und Mitgründer James McGillivray (Schlagzeug) die Band verließen.


Bisher sind zahlreiche Studio- und
Livealben erschienen. Das aktuellste trägt den passenden Titel „Don’t Let
The Gray Hair Fool You!“ und ist im Jahr 2024 erschienen. Und der Titel sagt
alles, denn man sollte sich nicht von den älteren Herrschaften irritieren
lassen, denn die legen bei Konzerten immer noch mächtig los, so auch in
Finkenbach.


Neben dem oben erwähnten Trio gehört auch
noch Schlagzeuger Carsten Steinkämper zum aktuellen LineUp. Ursprünglich
sollten ja Sula Bassana das Festival eröffnen, mussten aber
krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Schön, dass Epitaph in so kurzer Zeit
dann noch einspringen konnte. Bernd Kolbe erläuterte die kurzfristige
Anfrage des Veranstalters humorvoll mit den Worten: „Wir lagen gerade alle
im Bett und bekamen einen Anruf mit der Frage ob wir auf dem Finkenbach
Festival auftreten könnten. Wir sagten dann: Wenn es nicht sofort sein muss,
wir wollen nämlich erst noch den Film zu Ende schauen.“ Und so waren sie nun
nach längerer Zeit endlich wieder in Finkenbach und mischten sofort mit
ihrem straighten Rock die Besucher auf.


Die „älteren drei Herren“ rockten gut
drauf los, dass es eine wahre Freude war. Vorangetrieben wurden sie von
ihrem jüngsten Mitglied, dem Schlagzeuger Carsten Steinkämper. Die Band
spielte sich durch ihr Repertoire und ließ eins ums andere Mal die die
Twin-Gitarren sprechen, die dann auch ein ums andere Mal ein wenig in
Richtung Wishbone Ash gingen.


Im Song „Lost In America“ tauchten dann
Tonprobleme auf, bei denen immer wieder laute knarzende Geräusche aus den
Boxen zu hören waren. Die Band hatte davon aber nichts mitbekommen, wie sie
hinterher erzählte. Die Techniker arbeiteten schnell an der Ursache und so
wurde das Problem im nächsten Song „Woman“ behoben. Danach war der Ton
hervorragend, was auch auf die anderen Bands zutraf.


Dann stand das Titelstück ihres letzten
Albums „Don’t Let The Gray Hair Fool You” auf dem Programm. Hier duellierten
sich Bernd Kolbe am Mikro und Heinz Glas an der Gitarre. Ein grandioser
Part, der die Spielfreude dieser „älteren” Recken, die noch so viel Energie
besitzen, zeigte.


„Vallanova Juntion” ist das Stück, das
Jimi Hendrix als letztes bei seinem Woodstock-Auftritt spielte. Dieses
Instrumental spielt die Band seit 6-7 Jahren. Heinz Glas liebt es sehr und
spielt bei den Konzerten immer nur das Hauptmotiv und ersetzt den Rest dann
durch eigene Parts. So hat sich das Stück im Laufe der Zeit immer
weiterentwickelt. Ein ruhiges, bluesgetränktes Stück, das zum Ende hin aber
an Dynamik gewann und für Zwischenapplaus sorgte. Seine Performance
beigeisterte das Publikum in Finkenbach.


Den Abschluss des Konzertes stellte dann
das bluesige „Goin To Chicago“ dar, bei dem Cliff „Finkenbach“ buchstabierte
und zum Ende hin die Band „Goin To Finkenbach“ sang. Die Idee war Cliff am
Vorabend gekommen und sollte noch weiter ausgearbeitet werden, so dass
Finkenbach noch deutlicher zum Ausdruck kommen sollte. Aber auch so war es
eine tolle Hommage an dieses wunderbare Festival und sorgte für Stimmung im
Rund. Epitaph waren ein perfekter Opener für das Festival und brachten das
Publikum sofort auf Betriebstemperatur.

|