Madis
(Electronic Circus-Festival, Lemgo - 15.08.2026)


    

Der polnische Komponist Amadeusz Małkowski, der als Madis firmiert, verbindet modernes Sounddesign mit der Ästhetik klassischer elektronischer Musik. Er war Headliner beim finalen Electronic Circus Festival. Sein Produktionsdebüt gab er mit der EP „Ocean Rain“ (2013), gefolgt von einem elektronischen Cover des Titelsongs zum Film „Interstellar“, das auf YouTube bereits mehr als 25 Millionen Aufrufe verzeichnet.

    

     

Sein zweites Album, „Sail“ (2022), erweiterte seine musikalische Palette um Elemente der klassischen Musik und des Rock und enthielt Beiträge von Kyrah Aylin und Jacek Królik. Im Jahr 2023 veröffentlichte Madis „Plains of Elysium“, die Fortsetzung von „Sea of Tranquility“. Im März 2025 erschien „Elements of Life“, womit er seine Weltraum-Trilogie vollendete. Ein bedeutender Meilenstein in seiner Karriere war seine Zusammenarbeit mit dem finnischen Elektronikmusiker Kebu, die in der Single „Mentes Determinadas“ (2025) gipfelte. Später im selben Jahr veröffentlichte Madis „Reflecte“ ein Album, das sich stilistisch von seinen früheren Werken abhebt und eine emotionalere und introspektivere Reise bietet, die von seinen persönlichen Lebenserfahrungen inspiriert ist.

    

    

Madis war das Highlight des Festivals. Das zeigte sich auch im Zuschauerzuspruch, denn wegen ihm waren zahlreiche Karten für das Festival verkauft worden, so dass die Veranstaltung ausverkauft war. Es hätten sogar noch mehr Karten verkauft werden können, aber aufgrund der räumlichen Gegebenheiten hatte man darauf verzichtet die Plätze zu erweitern, was aufgrund der hohen Temperaturen für Besucher und auch die Künstler die richtige Entscheidung war.

    

    

Madis präsentierte einen Querschnitt aus seinen bisherigen Veröffentlichungen und ergänzte dies noch durch zwei Hommagen an zwei große Elektronikmusiker. Gestartet wurde zunächst mit einer Kombination aus den beiden Stücken „Silent Echoes / Burning Sands“ von seinem aktuellen Album „Reflecte“. Schon hier zeigte sich, dass Madis einen fetten Sound auch live auf die Bühne zaubert. Das hatte zunächst etwas Soundtrack-artiges. Einer hymnischen Melodie setzte er dabei kraftvolle Rhythmen entgegen. In „Burning Sands“, bei dem dann erstmals Jarre artige Klänge aufkamen, setzte er dann erstmals eindruckvoll seine Touchpads ein, die vom Zuschauerraum gut zu sehen waren. Ein klasse Einstieg in sein Konzert.

    

     

Das folgende „Place Called Home“ startete zunächst flächig, wandelte sich aber nach wenigen Momenten in einen sehr rhythmischen Track, dem Madis dann eine einfache Melodielinie spendierte, was aber perfekt miteinander harmonierte und ansatzweise in Richtung Vangelis wies, dabei aber eine eigene Handschrift besaß.

    

    

„Baltic Spirit“ startete mit Wellenrauschen und Schreien von Meeresvögeln. Dann setzte aber schnell ein fetter Rhythmus ein, der von einer schönen Melodie - mit leicht verzerrtem Synthesizerklang - begleitet wurde. Das hatte auch wieder etwas Hymnisches. Und so folgte ein grandioser Track dem nächsten. Und obwohl es in der Kirche recht warm und mit der Zeit auch stickig wurde, spielte sich Madis in einen Rausch und man hatte das Gefühl, als wolle er gar nicht mehr aufhören. Nach 2 1/4 Stunden unterbrach er dann sein Konzert für eine kurze Trinkpause, setzte dann zum Endspurt an und präsentierte in den Zugaben zwei Coverversionen von großen Elektronikmusikern.

    

     

Die erste Coverversion war Jean Michel Jarres „Oxygene 8“, dem Madis seinen eigenen Stempel aufdrückte, in dem er dem Track einen fetten Rhythmus verpasste. Das führte dazu, dass das Publikum nach wenigen Momenten mitklatschte.

    

    

Zum Schluss ehrte er Evangelos Odysseas Papathanassiou besser bekannt als Vangelis mit einer rhythmischen Version von „Conquest Of Paradise“. Das Stück ist der Soundtrack zum Ridley Scott-Film „1492 - Die Eroberung des Paradieses“. Es bekam aber einen weiteren Bekanntheitsschub, als Henry Maske es für seinen Einmarsch in die Boxarenen nutzte. Madis Version hatte noch mehr Volumen, hielt sich ansonsten aber nah am Original.

    

    

Madis hatte die Bühne optisch mit mehr als zehn Leuchtröhren ausgestattet, die einzeln angesteuert und farblich verändert werden konnten. Das sorgte für eine tolle Atmosphäre und wurde darüber hinaus von Animationen auf der rückwärtigen Leinwand unterstützt.

    

    

Madis war am Tag zuvor elf Stunden mit dem Auto aus seiner Heimat angereist. Am Ende seines 2 3/4-stündigen Konzertes bedankte er sich beim Publikum, das ihn über die ganze Strecke motivierte hatte. Denn der Funke war von ihm auf das Publikum und wieder zurück übertragen worden. Das Publikum feierte den polnischen Musiker mit Standing Ovations und wollte noch mehr, doch Madis hatte sich völlig verausgabt und ein denkwürdiges Konzert gegeben.

    

    

Der polnische Elektronikmusiker zeigte bei seinem Auftritt, wie Jean Michel Jarre heute klingen könnte, wenn er nicht in kommerzielle, technoide Gefilde abgebogen wäre. Madis schaffte es, die Sounds des Franzosen zu nutzen und sie mit druckvollen und ästhetischen Rhythmen zu verbinden und darüber hinaus genug eigene DNA in die Stücke zu legen. Aus diesem Grund ist der Pole nicht nur eine Alternative zur Jarre-Musik, sondern für Fans dieses Stils ein Muss. Wer die Chance hat, ein Konzert von Madis zu besuchen, sollte dies unbedingt nutzen.

    

 

Setlist  

Silent Echoes / Burning Sands (Intro Edit)
Place Called Home
Baltic Spirit
Plains of Elysium
Elements of Life
Continents Movement
Whispers From Behind
Desert of Lost Souls
Lunar Dance
Moondust
Deus Solis
Arcadia
Mount Olympus
Carrying the Fire
Sailor’s Sonata
Northern Lights
Ironworks
Redstorm
Cracow Sunset

Zugabe

Samuel Barber - Adagio For Strings
Jean-Michel Jarre - Oxygene 8
Vangelis - Conquest Of Paradise

Stephan Schelle, September 2026

      Konzert - Faux Tales

Electronic Circus Menue