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Wie lebendig, innovativ
und gut die italienische Blues-Szene ist; aktuell mit Stefano Ronchi, The
Goosebumps Brothers, Stefano Barigazzi & Band, The Juke Joint Smokers,
Cinelli Brothers, haben wir schon dutzendfach Live erlebt. Das italienische
Quartett um Römer Andrea De Luca war auf einer Odyssee, um ihren Auftritt
im Club Z 87 in Würzburg zu bestreiten. Sie brachten das 75-minütige Album
„Live In Studio Sessions“ (2023) mit.
Aus ihrer Heimat Rom
haben sie unterwegs in Mailand den Keyboarder Alessio aus Sardinen
aufgelesen und sind dann zu viert nach Würzburg angereist. Sie spielen hier
für die fränkischen Blues-Fans auf, schlafen ein paar Stunden und treten
nach spartanischem italienischen Frühstück sofort die Rückreise über
Mailand nach Rom an.
Wir lesen in vielen
Texten, mit welchen anderen internationalen Blues-Helden Maestro der
Hawaii-Gitarre Andrea bereits zusammengespielt hat. Aber allein so einen
Einsatz für die deutschen Blues-Fans machen ihn für uns zu einem Helden,
wie Michael ja vorher bei „Heroes“ gesungen hat, „ein Held nur für
einen Tag“. Hoffentlich nicht, denn Andrea hat mit seinem Auftritt seine
Visitenkarte für weitere Besuche im deutschsprachigen Raum abgegeben.
Auf der Bühne eine
Vielzahl von verschiedenen Gitarren, die Andrea im Laufe des Konzerts
virtuos einsetzte. Besonders mit seinen Lap-Steel-Gitarren und seinem sehr
betonten Gesang sorgte er für Aufregung und viel Szenen-Applaus. Auch seine
kleinen Geschichten aus seinem Leben, die erzählte er immer wieder beim
Wechsel der Gitarren, haben uns berührt. Ein Musiker gibt Einblick in sein
Leben, das ist wie bei MVM der Blues, der uns alle verbindet. Nicht nur
heute, sondern auch schon vor 100 Jahren. Schon im Laufstall wurde er mit
Musik berieselt und das hat dafür gesorgt, dass diese Flamme bis heute
nicht verloschen ist.
Andrea kommt erst einmal
allein auf die Bühne, spielt zuerst zwei reduzierte akustische Lieder.
Danach kommen die drei singenden, italienischen Bellos an Bass (Menotti
Minervini), Tasten (Alessio Sanna) und Trommeln (Andrea Pupi Merli) dazu.
Eine sehr schöne Darbietung nimmt seinen Lauf, immer wieder kleine Überraschungen
an den Instrumenten, das Spiel an Lap-Steel und Slide dominiert das
Geschehen. Auch Andrea interpretiert mit „Shadows In The Rain“ einen
starken Klassiker von den „englischen Polizisten“. Und das Publikum
honoriert den enormen Einsatz dieser vier sympathischen Männer aus Bella
Italia. Der frenetische Applaus wollte einfach nicht abebben, da musste
Andrea doch noch einmal ran. Er schnappte sich einen Stuhl und eine seiner
Hawaii-Gitarren, setzte sich vor die Bühne und spielte unverstärkt und von
den Fans umringt noch eine letzte Zugabe. Klar, dass beim Merch von Andrea
De Luca danach noch einiges los war. Wir quatschen draußen im Foyer auch
mit Axel Küstner, der hier mit einer Ausstellung von drei Dutzend
S/W-Bluesfotografien, Motto: „Gon’ Play It For Lil’ Brother“, noch
einen weiteren Glanzpunkt setzte.
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