Meanwhile Project Ltd - Sir Mandrill
Kapitän Platte / Cargo Records (2024)
(11 Stücke, 44:00 Minuten Spielzeit)

Es ist schon manchmal komisch. Da bekommt man eine CD zur Besprechung und die geht dann irgendwie unter. Zig Monate später hat man sie dann plötzlich wieder in der Hand und wundert sich, warum man da nicht sofort eine Rezension geschrieben hat. So ging es mir mit dem Meanwhile Project Ltd. und ihrem Album „Sir Mandrill“. Das Album erschien am 17.05.2024 in einem vierseitigen Papersleeve. Es enthält elf Stücke mit Laufzeiten von 1:36 bis 6:38 Minuten Spielzeit.


The Meanwhile Project Ltd ist zurück - fast vier Jahre nach „Marseille“ erscheint ein neuer Longplayer mit dem Titel „Sir Mandrill“ auf Kapitän Platte. Das Duo um Marcell Birrek und Marcus Adam ist mittlerweile zu einer fünfköpfigen Band angewachsen, die das neue Album in gewohnt opulenter und komplexer Weise mit Unterstützung von weiteren Gastmusikern präsentiert.

Sir Mandrill bietet einmal mehr eine üppige Palette verschiedener Stile, die sich gekonnt miteinander vermischen. Auch hier verschmelzen Chanson, Folk, Post-Pop, Indie-Rock, Alternative, Ambient und vieles mehr zu einem großen Ganzen, das in seiner Gesamtheit absolut harmonisch wirkt. Einflüsse von so unterschiedlichen Bands wie dEUS, Motorpsycho, den Villagers und Calexico blitzen hier und da auf. Und die beeindruckende Stimme von Sänger Marcell hüllt alles abwechselnd in einen warmen Mantel, mahnend, flehend, aufrüttelnd und beruhigend von einem Moment zum nächsten.

Nach Angaben der Band lässt sich die Philosophie hinter Sir Mandrill wie folgt zusammenfassen: „Das Album entstand in einer Zeit, in der die Menschheit zunehmend gespalten zu sein scheint, die Meinungen immer weiter auseinanderdriften und die meisten Ansichten kategorisch als entweder schwarz oder weiß wahrgenommen werden. Für uns steht die Frage im Mittelpunkt, was uns als Menschen im Wesentlichen ausmacht und wie wir uns trotz aller Unterschiede immer ähnlich sind. Sir Mandrill ist der wilde Affe, der in jedem von uns steckt und mit vermeintlich zivilisiertem Verhalten zu verbergen versucht, wie gedankenlos und ungestüm wir eigentlich denken und handeln.“

Mit dem anderthalbminütigen „Concerning Dawn“ startet das Duo atmosphärisch mit einer Verbindung aus verschiedenen musikalischen Elementen in das Album. Da geht es schon recht rockig zur Sache. Das hätte für meinen Geschmack aber gerne noch weiter ausgebaut werden können, denn gerade wo es so richtig loszugehen scheint, ist es auch schon zu Ende.

Artrockig mit leichtem Popappeal zeigt sich danach das vierminütige „Overbalanced Ways“. Der Gesang erinnert mich ein wenig an den ´von Stuart Nicholson der britischen Band Galahad und doch ist er anders. Die Melodie und der Rhythmus setzen sich schnell im Ohr fest. Die Musiker wechseln hier zwischen sanften und druckvollen Passagen.

Gitarre und Piano starten dann in den nächsten Song „Bumps & Bruises“. Der Song besitzt einen klasse druckvollen Groove und bewegt sich ebenfalls im Umfeld des Artrocks, besitzt darüber hinaus aber auch noch weiteres Flair (hat aus meiner Sicht auch eine Spur Bowie im Blut). Zwischendurch zerfetzt eine etwas schräge Trompetenpassage den Song, was ihn umso spannender macht.

Mit einem sanften Piano und dezentem Schlagzeug beginnt das balladeske „Different Lenses“. Im Downtempobereich geht es zunächst mit „Catch 22“ weiter. Doch schon nach gut anderthalb Minuten entwickelt sich das Stück zu einem treibenden Song, der im Mittelteil gar einen proggigen Instrumentalteil besitzt. Eine klasse Nummer.

Die Akustikgitarre bestimmt dann in „Refilled“ das Geschehen. Ein sanfter Song im akustischen Gewand. Mit „Bob Ross“ folgt dann eine weitere recht rockige Nummer, die hier im Midtempobereich angesiedelt ist und zum Ende hin an Dynamik gewinnt. Und auch die restlichen Songs überzeugen.

„Sir Mandrill“ von Meanwhile Project Ltd. ist ein klasse Album, das verschiedene musikalische Elemente in sich vereint und dabei immer auf der melodischen Seite bleibt. Man sollte sich aber nicht von der Coverabbildung abschrecken lassen.

Stephan Schelle, Januar 2026

   

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