Magnify The Sound – Searching For A Quiet Place
Crispin Glover Records / Stickman Records (2026)

(6 Stücke, 34:34 Minuten Spielzeit)

„Searching For A Quiet Place“ erschien am 27.02.2026 und ist das zweite Album von Magnify The Sound, dem Duo aus dem Gitarristen Trond Engum (The 3rd & The Mortal / The Soundbyte) und Schlagzeuger Carl Haakon Waadeland (mit einer über Jahrzehnte in verschiedenen Ensembles verfeinerten rhythmischen Sprache) und wird nun durch Tone Åse (Gesang) und Sturla Eide (Geige & Hardangerfiedel) ergänzt. Die CD erscheint in einem vierseitigen Digipak.


Die Musik der sechs Kompositionen ist improvisiert und dennoch sorgfältig ausgearbeitet, wobei jedes Stück zu einem größeren Ganzen zusammenpasst. Sie hat ihre Wurzeln in der norwegischen Folk-Tradition (Waadelands Puls, Eides Timbre), reicht bis an die äußeren Grenzen des Metal (Engums unverkennbarer Gitarrenton) und Åses einzigartige, ätherische Stimme. Zusammen trägt sie den narrativen Fokus erfahrener Improvisatoren.

Das Ergebnis ist melancholisch und unvorhersehbar, intim und kompromisslos, immer ehrlich und ohne Abkürzungen. Manchmal spielt es mit dem Unerkennbaren, dann kehrt es mit Puls, klaren Themen und starken Melodien zurück und schafft ein Gleichgewicht zwischen Atmosphäre und roher, energiegeladener Wirkung. Dies ist Musik, in die man eintauchen und zu der man zurückkehren kann, eine Klanglandschaft, die die Zuhörer einlädt, ihre eigenen Geschichten zu finden, und die wiederholtes Hören belohnt.

Los geht es mit dem fast fünfminütigen „Once Upon A Breath“ zunächst recht mysteriös. Die ersten Klänge wirken recht experimentell und könnten auch gut einen Thriller- oder Horror-Film untermalen. Auf diese mystischen Klänge wird zunächst eine einfache, kindlich wirkende Klaviermelodie gesetzt, die von einigen Schlagzeugeskapaden durchbrochen wird. Ab der Hälfte kommen dann Melodie und mehr Rhythmus sowie Åses Gesang hinzu. Jetzt entwickelt das Stück eine eigene Dynamik und Faszination. Vor allem Åses lautmalerischer Gesang ist das Sahnehäubchen dieses Stückes.

Darauf folgt das gut sechsminütige Titelstück „Searching For A Quiet Place“. Es startet mit elektronischen Drone- und Streichersounds, die sich langsam entwickeln und durch den Raum ziehen. Das hat etwas Besinnliches. Die Band variiert hier die Dynamik und so entwickelt sich ein Track, der nordischen Folk mit elektronischen Sounds verbindet.

Das vierminütige „Lost Somewhere Else“ besitzt ebenfalls nordisches Folk-Flair und wird von Streicherklängen und teils kraftvollen Percussion- und Schlagzeugrhythmen bestimmt. Da geht es dann auch schon mal ziemlich wild her, so als würden Krieger in den Kampf ziehen. Mystisch zeigt sich dann zunächst das Stück „Guided By Bells“. Und die Glöckchen klingen dann auch in dem Stück durch und werden mit Klangtupfern von Gitarre, elektronischen Sounds und Percussion durchzogen. Der Track gewinnt aber erneut durch Åses lautmalerischen Gesang.

Mit neuneinhalb Minuten ist „Within The Circles Of A Siren“ der längste Track des Albums. Und natürlich kommt hier auch wieder Åses lautmalerische Gesang zum Tragen. Dieser setzt sich zunächst auf mysteriös wirkende Klänge. Dann kommen Harmonien von einer Marimba auf und bestimmen das Klangbild, während elektronische Sounds im Hintergrund wirken und sich langsam in den Vordergrund schieben um sich miteinander zu vermengen. Ein intensiver Track.

Mit dem fast siebenminütigen „You Might Find A Burtterfly“ endet das Album so mysteriös, wie es begonnen hat. Elektronische Sounds und Schlagwerk liefern sich hier ein Duell. Nach einigen Minuten wird dann eine Wall Of Sound hochgezogen und alles geht in einer Kakophonie auf.

Die Musik von Magnify The Sound auf ihrem zweiten Album „Searching For A Quiet Place“ ist nicht einfach zu beschreiben und passt in keine musikalische Schublade. Die Stücke sind nicht immer einfach zu konsumieren, strahlen aber doch eine gewisse Faszination aus. Ich rate daher vorher in das Album hinein zuhören.

Stephan Schelle, März 2026

   

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