Last Bølt Ceremony - delir.ium
Paranoia Productions / Cargo (2026)

(6 Stücke, 35:48 Minuten Spielzeit)

Last Bølt Ceremony nennt sich ein Rocktrio aus Dortmund, das Stoner, Grunge, Psychedelic und Post Punk miteinander verbindet. Die Band besteht aus Thomas Köller (Gesang, Gitarre), Frank Weckert (Bass) und Daniel „Dan“ Simon (Schlagzeug) und hat im November 2024 ihr Debütalbum „Neuzeit“ veröffentlicht. Am 09.10.2026 legt das Trio, das sich bei der Einspielung um Dietrich „Richie“ Hecke am Kontrabass als Gast verstärkt hat, das zweite Album mit dem Titel „delir.ium“ nach.


Das Album erscheint auf Vinyl, digital und als CD. Mir lag die CD-Version vor, die in einem vierseitigen Digipak daherkommt.

Der Titel des Albums ruft nicht nur Assoziationen an ein gestörtes Bewusstsein oder Halluzinationen auf, die Formenvielfalt der Platte lässt zugleich an eine Dysbalance von Körper und Geist denken, was zu einem extrem spannenden Klangerlebnis führt. Temporäre Dissonanzen, plötzliche Tempowechsel und sphärische Klangstrukturen verdeutlichen die musikalische Experimentierfreudigkeit dieses Trios.

Mit dem Stück „demora“, was aus dem Spanischen übersetzt so viel wie „verzögert“ bedeutet, starten die Dortmunder in ihr Album. Mit sehr schönen, sanften Akkorden startet die Band zunächst in diesen Track, der dann aber nach wenigen Momenten etwas druckvoller fortgesetzt wird. Es entwickelt sich ein schöner Postrock-Track bei dem unterschiedliche Echosounds der Gitarren ein ansprechendes Klangbild ergeben. Angetrieben wird das Ganze von Bass- und Schlagzeugrhythmen. Diese steigern sich zusammen mit den druckvollen Gitarrenklängen. Nach mehr als vier Minuten gesellt sich dann auch noch lautmalerischer Gesang hinzu, der das Bild vervollständigt.

Das Stück „raging river“ beginnt mit leicht vertrackter Rhythmik, die von Schlagwerk und Bass erzeugt wird, während sich die Gitarren melodisch daraufsetzen. Nach anderthalb Minuten startet die Band dann aber durch einen Rhythmuswechsel in einen härteren Part und fügt Gesang hinzu. Hier kommen schon einige der oben erwähnten Musikstile zusammen. Nach gut dreieinhalb Minuten kommt ein erneuter Taktwechsel auf und der Song befindet sich nun im Stoner-Umfeld. Das hat laut Pressetext was von plötzlichen Stimmungswechseln, bleibt aber melodisch und spannend zugleich.

„drones“ ist dann eine Referenz an die männliche Honigbiene, deren einzige Aufgabe darin besteht, eine junge Königin zu befruchten. So hört man zu Beginn auch ein elektronisches Summen, was auf die Biene verweist. Dann setzen echohafte Gitarrenklänge und ein fetter Bass ein. Der ruhige Einstieg, kurze brachiale Einsätze, lange Tonschleifen und unerwartete Breaks symbolisieren das lange Arbeitsleben der Biene, dessen Tristesse entweder direkt nach der Paarung, meist aber bei einer Dronenschlacht im Spätsommer jäh endet, wenn sie aus dem Stock gejagt wird. Eben dies spiegelt das Ende von „drones“, ein emotionales Feuerwerk der Klangkunst. Musikalisch bewegt sich das Stück vorzugsweise im Stoner Rock, der dann zum Ende hin in einen ekstatischen Part mündet.

„ides of march“, ein reiner instrumentaler Titel mit epischer Länge und zugespitzter Dramaturgie, ist eine Anspielung auf die Ermordung Caesars 44 v. Chr. und sein Ignorieren der Warnung. Musikalisch startet das Stück im Psychedelic-Rock-Stil, bei dem sich zunächst die melodischen Akkorde in einer Schleife befinden und nur leicht variiert werden. Das mäandert zunächst sehr rockig/melodisch durch den Raum. Dann kommen nach drei Minuten fette Riffs und druckvolles Schlagwerk auf, die in Metal-Gefilde abschweifen. Nach gut fünf Minuten scheint das Ende eingeläutet, doch nun geht es im Stoner-Betrieb noch eine Runde weiter und endet schließlich erst nach fast acht Minuten.

Mit dem Stück „delir“ kommt danach das Titelstück des Albums. Ein fetter Stoner-Track, der von Gitarre und Bass bestimmt und vom Schlagzeug zunächst im Hintergrund untermauert wird. Das trocken gespielte Schlagzeug übernimmt im Verlauf dann aber eine deutlichere Rolle. Darauf setzt Thomas Köller dann seinen Gesang. Der Gesang wirkt ein wenig, als hätte Thomas im Delirium am Mikro gestanden. Das passt natürlich perfekt zu diesem Song.

Der letzte Titel „purple poppy“ ist eine Anspielung auf purpurfarbenen Mohn, der als stark wirksames Opiat das zentrale Nervensystem dämpft. Das Stück wird von grungelastigen Gitarren bestimmt. Und auch der Gesang ist nicht wie von dieser Welt sondern wirkt etwas entrückt. Das hat aber durchaus Rock/Pop-Appeal und einen klasse Groove.

Auf ihrem zweiten Album „delir.ium“ präsentiert die Dortmunder Band Last Bølt Ceremony eine gelungene Mischung aus Stoner, Grunge, Psychedelic und Post Punk. Dabei legt das Powertrio den Fokus auf Harmonien und Melodien. Ein gelungenes Zweitwerk.

Stephan Schelle, Oktober 2026

   

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