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Gordian
Knot – Crabs In A Basket
Der Gordische Knoten ist
wieder einmal geknüpft Ich habe in Bamberg beim diesjährigen 18. Blues & Jazz Festival Anfang August debütiert und dort am dritten Tag auch die Rock-Band Gordian Knot erlebt. Dieser Name ist mir bekannt von drei US-Bands: Sunshine-Pop aus Kalifornien Ende der 60er, Celtic-Folk-Pop aus Houston Mitte der 90er und Prog-Metal Ende der 90er. Aber von den Lokal-Matadoren, die auch schon seit mindestens 1990 eine feste Größe in der Bamberger Musikszene sind, hatte ich bisher leider keinerlei Kenntnis.
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Die Formation um Sänger,
Gitarrist und Songwriter Jürgen „Jorgos“ Fritz ist bereits 2013 und
2015 beim Blues & Jazz-Festival Bamberg aufgetreten. Sie haben seit
einem Jahrzehnt mit Leo Spangel (Piano, Synthesizer), Christian Zapf
(Gitarre, Gesang), Frank Rockrohr (Bass), Robert Hausner (Schlagzeug) eine
äußerst stabile Mannschaft und man merkte, dass sie gut eingespielt
sind. Im Gespräch nach dem Auftritt erzählte mir Jorgos, das deren Musik
noch besser und ausgewogener klingt, wenn der Mitgründer und Tastenmann
Leo Spangel dabei ist, der fehlte leider diesmal. Er übergab mir auch
noch eine CD von dem weiteren Herzensprojekt Velvety Waves. Dazu gibt es
im MINT einen Bericht. Nun erscheint ihr neustes drittes Werk „Crabs In
A Basket“. In den Projekten von Jürgen
Fritz scheinen Küsten und Meere eine starke Rolle zu spielen. Albumtitel
wie Treiben mit Amplituden, samtweiche Wellen, Krabben im Korb, lässt
diese Schlüsse zu, aber natürlich auch andere Interpretationen. Diesmal
geht es um eine Metapher der Sozial-Psychologie, dem Krabben-Effekt.
Krabben-Mentalität ist auch eine Beschreibung für das menschliche
Verhalten, bei dem sich Personen gegenseitig am Erfolg hindern, ohne
daraus einen eigenen Nutzen zu haben, weil sie anderen nicht gönnen, was
sie selbst nicht erreichen können. Sie kann in Beziehungen, Berufsleben
oder Gruppen/Kollektive auftreten und blockiert oft den Fortschritt aller
Beteiligten durch Neid und Missgunst. Leider gibt’s auch einige Krabben
in der deutschen Musikszene, aber gottlob nicht bei Gordian Knot. Nun ist
es bei denen nach 13 Jahren endlich wieder soweit, das dritte Werk
„Crabs In A Basket“ soll wieder mit einer großen Party in das Licht
der Kultur-Welt, besonders aber der breiten Öffentlichkeit, gebracht
werden. Das Titelstück „Crabs
In A Basket“ beginnt mit einem sehr überraschenden Americana-Intro,
nach etwa 1,5 Minuten steigt Sänger, Gitarrist und Songwriter Jürgen
Fritz mit seinem Gesang ein. Das gesamte Titel-Lied ist praktisch das
Intro, denn es führt übergangslos zu „Slaves Of Babbits Laws“. Hier
erst einmal akustische Gitarre im Vordergrund, wird es punktuell dann
etwas rockiger, sehr schönes Zusammenspiel der gesamten Band, jedes
einzelne Instrument ist deutlich zu hören, ein sehr ausgewogenes
Gruppenspiel. Das ist beim nächsten
Rocker „Those Unimportant Things“ ähnlich, kein Abfall der Qualität
und das Ganze mit einem schönen eingepassten Gitarren-Solo von Christian
Zapf. Der ist mir mit seiner konzentrierten und filigranen Gitarrenarbeit
schon beim Auftritt auf dem Maximiliansplatz aufgefallen. Klasse Intro bei
„Nothing But Your Way“, Bass und Gitarre von Frank Rockrohr (Bass) und
Christian Zapf im rhythmischen Twin-Modus, kurz danach steigen
Schlagzeuger Robert Hausner und Keyboarder Leo Spangel ein. Er bekommt in
diesem Lied auch noch einen Solo-Auftritt, wo er sein Instrumentarium mal
so richtig ausfahren kann. Sehr schöner Rocker, der die Harmonie von
Gordian Knot unterstreicht. Etwas ruhiger wird es
mit Piano & akustischer Gitarre bei „Meeting On A Bridge“. Danach wird bei „Spinning Around“ das Tempo wieder mächtig
angezogen, eine vorwärtsstrebende rockige Komposition mit Harmoniegesang,
die den Groove über die gesamten vier Minuten hält und im Mittelteil mit
einem sehr schönen Intermezzo aus Bass, Gitarre, Keyboards. Diesen
Teil kann man Live bei der Album-Vorstellung am 21. November in der
Kulturfabrik Bamberg (KUFA) locker auf fünf bis zehn Minuten aufpumpen.
Spielwitz, Fingerfertigkeit und Teamspiel haben Christian, Frank und Leo
genügend. Im gleichen lockeren
Stil geht es mit „Thoughts Are Seeds“ und „Marionet“ mit abruptem
Ende (Abtast-Nadel von der Platte gerutscht) weiter. Ausgefallene
Melodien, die Instrumente durchgängig ausgewogen in der Balance, gut
platzierte Soloeinlagen. Bei der harmonischen Ballade „Unredeemed
Soul“ kann Jürgen Fritz wieder mit seiner Stimme und Christian Zapf
beim Gitarren-Solo glänzen. Dieses Tempo und die Gangart gefällt ihm,
das ist mir schon bei Velvety Waves aufgefallen. Pfeifen kann der Jorgos
auch, denn so startet das fröhliche Lied „You´re Happy“ zum
Abschluss. Bei dem rhythmischen Rocker können alle fünf kollektiv noch
einmal beweisen wie schön gemeinsames Musizieren sein kann. Unter den
Key-Fanfaren von Leo und rhythmischen Trommeln von Robert ein schöner fröhlicher
Ausklang. Wer eine Schublade für die Bamberger Truppe braucht, Rock-Pop
mit breiten Einflüssen verschiedener harmonierender Genres. Insgesamt ein
abwechslungsreiches Themen-Album. Die Songs handeln davon wie die
Krabbenmentalität entsteht und wie man dem Krabbenkorb entkommen kann.
Zehn gut produzierte Eigen-Kompositionen, erneut aus der Feder von Jürgen
Fritz, mit obendrein aussagekräftigen Texten. Mit einem festen gordischen
Knoten wieder alles zusammengeschnürt und exzellent von Lothar Hermann in
seinem Nature Studios technisch betreut. Ich habe hier nichts zu
beanstanden, im Gegenteil. Hier ist erfreulich kein Einzelner der Star,
sondern tatsächlich das Quintett. Harmoniegesang wie bei
„Spinning Around“ sollten sich die Bamberger öfter trauen, nächste
Chance beim Auftritt KUFA. Fünf mutige und erfahrene Musiker aus der
Region Oberfranken, die sich an eigenes Material herantrauen und alles
exzellent in einem Album umsetzen. Hier mit „Crabs In A Basket“ ein
sehr geschmackvoller Krabben-Cocktail, der sicher den Musik-Gourmets am
21. November in der Kulturfabrik Bamberg (KUFA) munden wird. Ein wenig
Beilagen aus „Drifting With Amplitudes“ gibt es noch obendrauf. Und
Leo, streng dich an das du diesmal mit dabei bist, denn deine Arbeit an
den Keyboards bringen tatsächlich mehr Volumen und Klangfarbe in die
Kompositionen. An diesem Abend könnt ihr die Live-Premiere des Albums
„Crabs In A Basket“ zusammen mit Gordian Knot feiern. Unterstützt
wird das Quintett dabei durch zwei bekannte Bamberger Musikgrößen: Max
und Konstantin Raab (bekannt durch die Bands Slam Elephant und Generation
Six), die mit ihrem Duo Gebrüder Raab alte und neue Rockklassiker präsentieren
werden. Roland Koch, November 2025 |
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