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Franck Carducci
- Sheeple Das erste Mal wurde ich auf den französischen Rockmusiker Franck Carducci im Jahr 2017 beim Night Of The Prog Festival aufmerksam. Seine Energie geladene Show und die Songs, die Classic Rock und Progressive Rock-Elemente aus den 70’er Jahren beinhalten, fesselten mich von Beginn an. Im Frühjahr 2026 erschein nun sein mittlerweile viertes Studioalbum. Es trägt den Titel „Sheeple”. Multiinstrumentalist Carducci hat darauf zahlreiche Instrumente selbst eingespielt, bekam aber auch von anderen Musikern, darunter seine Liveband The Fantastic Squad, Unterstützung. |
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Nach Jahren des Komponierens und einer Vielzahl von Live-Auftritten war es schließlich Steve Hackett (Genesis), der nach einer erfolgreichen Support-Show in Amsterdam dafür sorgte, dass Franck die Frage nach einem eigenen Album nicht rundheraus ablehnte, wie er es sonst zu tun pflegte. Mit dem Support eines seiner Idole im Rücken und einer geschickten Auswahl von Francks besten Songs wurde das so entstandene Debütalbum „Oddity” (2011) ein voller Erfolg, der dazu führte, dass Steve Hackett auf dem Nachfolger „Torn Apart” (2015) im Song „Closer To Irreversible” direkt selbst als Gast zu hören ist. Zur klassischen Rock-Besetzung gesellen sich dabei sogar das live eher selten zu bewundernde Theremin, aber auch Mellotron, Didgeridoo und natürlich Francks viel gespielte doppelläufige „Goldy” – ein stattlich anzuschauender Rock’n’Roll-Bastard aus klassischem E-Bass und 12-saitiger Gitarre, der von Shergold als Custom Double Ende der 70er nur kurz und meist auf Anfrage gebaut wurde. Inhaltlich geht es um die menschliche Selbstgewissheit und wohin sie jeden von uns zu führen vermag, wenn wir uns auf sie zurückziehen, anstatt uns unseren Mitmenschen zu öffnen: Man bezeichnet sich gegenseitig als „Schafe” und wichtige Dialoge verkommen zu perfiden Stellungskriegen ohne sonderlich tiefschürfende Argumente. Die Gegenseitigkeit, die diesem nervtötenden Trend zugrunde liegt, greift Franck mit „Sheeple” auf: mal spöttisch, mal deutlich kritisierend. Mit dem nur etwas mehr als einminütigen Titelstück „Sheeple“ beginnt das Album. Hier blöken Schafe zu denen dann eine Orgel im Stile von Jon Lord & Co. erklingt. Dieses kurze Intro geht nahtlos in den ersten Song „Self-Righteousness“ über, der kraftvoll aus den Boxen dröhnt und alles, was Franck Carduci ausmacht, enthält. Hier wird gerockt was das Zeug hält. Markenzeichen von Franck ist seine Stimme, die einen hohen Wiedererkennungswert hat. Schon dieser erste Song bündelt die ganze Energie, die Franck mit seinen The Fantastic Squad auf die Bühne zaubert. Eine klasse Hardrocknummer, die man in Ramstein live erleben durfte und dort den gleichen Wumms besaß. Franck sagt zu dem Song: „Das ist eine scharfe, theatralische Breitseite gegen den moralischen Überheblichkeitskomplex, blinde Selbstgewissheiten und das lautstarke Glauben derer, die meinen, die Wahrheit gepachtet zu haben. Keine Predigten. Keine moralische Überlegenheit. Einfach nur Rock’n’Roll, der gegen Unsinn austeilt. Dem schließt sich dann die sehr melodische und verträumte Ballade „Sweet Cassandra“ an. Die Mundharmonika in dem Stück hat was von Western und erinnert mich ein wenig an Udo Lindenbergs Song „Cowboy Rocker“ seines 74’er Albums „Ball Pompös“. In dem mehr als zehnminütigen „The Betrayal Of Blue“ zündet Franck dann wieder das volle Programm. Es beginnt zunächst Spieluhrenartig um nach wenigen Momenten in einen Part mit Akustikgitarre und Gesang überzugehen, was nun ein wenig an Bowies „Space Oddity“ erinnert. Das hält aber nur gut zwei Minuten an, denn dann geht es auch gleich in einen rockigen Part über, der den Spirit der 70’er atmet und ihn in diesem Jahrhundert wieder aushaucht. Hardrock trifft auf Prog-/Artrock und AOR. Das ist einfach nur grandios gemacht und großes Kino. Für zwei Minuten kommt dann die Ballade „Sweet Cassandra (Reprise)“ noch einmal im instrumentalen Gewand zurück. Hier nun mit sanften Flötenklängen. Eine schnelle Pianopassage wie bei Genesis „The Lamb Lies Down On Broadway“ leitet dann das Stück „The Limits Of Freedom“ ein. Franck führt aber den Genesis-Stil nicht weiter fort sondern haut jetzt einen weiteren magischen Rocksong voller Esprit raus. Mit „Love Or Survive“ steht dann ein weiterer Longtrack an, der es auf mehr als 13 Minuten Spielzeit bringt. Der Song beginnt sehr atmosphärisch, wechselt im Verlauf aber Struktur, Rhythmus, Melodieführung und Stilistik. Ein abwechslungsreiches und fesselndes Stück. „Sweet Cassandra 2019“ ist dann eine zweieinhalbminütige Akustikversion von „Sweet Cassandra“. Danach folgt nur noch der Bonustrack „Do What You’re Told“, bei dem zunächst auch wieder die Schafe blöken und nach wenigen Momenten Franck mit der Akustikgitarre und dem Bass einen bluesigen Verlauf einschlägt. Dabei wiederholt Franck die Worte des Titels unaufhörlich und variiert ihn nur geringfügig. Das führt einen musikalisch in die 60’er Jahre zurück. Das neue Album des französischen Rockmusikers Franck Carducci trägt den Titel „Sheeple“ und strotzt nur so vor Energie und grandiosen Rocknummern. Dabei hat Franck es geschafft, die Energie, die er mit seiner Band The Fantastic Squad auf der Bühne entfacht, auch auf dem Studioalbum rüberzubringen. Die Songs sind einfach mitreißend und leiten den Rock der 70’er Jahre ins Hier und Jetzt. Ein grandioses Album und ein toller Performer. Man sollte ihn und seine Band auch unbedingt live erleben. Stephan Schelle, Mai 2026 |
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