Erdenreich - dawa ya moto
Molokoplus Records (2026)

(16 Stücke, 78:28  Minuten Spielzeit)

Der Multiinstrumentalist, Theater-, Film- und Avantgardemusiker Udo Erdenreich war an mehreren Musikprojekten beteiligt. Nach der 2018’er Werkschau „TaiChiTu - retrospective one“ nimmt uns Erdenreich auf „dawa ya moto - retrospective two“ erneut mit auf einen wilden Ritt durch seine Musik. Das Album vereint musikalische Highlights seiner Bandprojekte aus den Jahren 1981 bis 2021. Es erscheint in einem vierseitigen Digipak mit achtseitigem Booklet.


Udo Erdenreich Gründungsmitglied von Ziguri und ehemaliger Punkpabst aus Neuburg/Donau lebt seit 1983 in Berlin und ist für seine dadaistischen, expressionistischen und krautrockigen Klangwelten bekannt.

Eroc, der das Album gemastert hat, sagt dazu: „Das hat echt großen Spaß gemacht, dieses treffliche Füllhorn an musikalischen Auswüchsen so hintereinander zu hören. Wirklich eine bunte, bemerkenswerte Kollektion!“ Und diesem Statement kann man sich ohne wenn und aber anschließen, denn Erdenreich präsentiert hier eine abwechslungsreiche Mischung aus verschiedenen musikalischen Stilen.

Auf dem Album finden sich Stücke von Ziguri, Hagel forte plus, Tura Ya Moya, Die Passagiere im Zwischendeck des Lebens (kurz PZL), Dada siegt, Sperrfeuer und General Klickman And The Supermen.

Gestartet wird mit Ziguri’s „Le grande Wawoo“, einem hypnotischen Track mit elektronischen Klängen und tollen Percussion- und Schlagzeugrhythmen. Schon hier wird deutlich, das Eroc die Stücke in einen glasklaren und dynamischen Sound gewandet hat. Ethnische Gesangsharmonien und Maultrommel werden in diesen Track mit eingemischt, was den hypnotischen Charakter noch verstärkt. Ein erstklassiger Beginn, der Appetit auf Ziguri’s Musik macht. Auch in Zigari’s „Schlingwahn“ wird man in einen hypnotischen Sog gezogen. Rhythmischer ist da schon das Stück „Hymn For Yoyodyne“, das mit einem Marschrhythmus und leicht schrägem Gesang aufwartet.

Das es Udo Erdenreich auch gerne mal härter mochte, zeigt sich dann schon im zweiten Stück „Sins In The City“ von Hagel forte plus. Das ist punkiger Rock - und entgegen dem Titel - mit deutschem Gesang. Auch das Stück „Stolpern“ ist deutlich im Punkrock verhaftet. Hier besteht der Text nur aus den Worten „Und du stolperst schon wieder hinein, in dieses Scheißthema“. „Havnfrue“ zeigt sich dann von einer sehr atmosphärisch sanften, fast schon meditativen Seite. Hier wird von einer Frauenstimme ein Text auf Dänisch vorgetragen.

Die Songs von Tura Ya Moya zeigen dagegen Einflüsse aus Worldmusic. Sehr asiatisch wirkt das Stück „Dr. Schein und Dr. Sinn“. In diese Stimmung wird dann eine Art Sprechgesang eingefügt, was es außergewöhnlich klingen lässt. Perkussiv geht es dann in dem Stück „Lonely Angel“ zu. Dieser treibende Rhythmus, der die Grundlage des Stückes darstellt, nimmt sofort gefangen. Dahinein werden teils recht schräge und disharmonische Klänge eingewoben. Das passt aber auf eine eigenwillige Art und Weise gut zusammen. Afrikanisch bzw. mittelalterlich wirkt dagegen „Lolop“, das zunächst nur mit Gesang beginnt dann setzen mittelalterliche Instrumente (unter anderem Leier) und mittelalterlicher Gesang unter anderem in Altfranzösisch ein. Recht elektronisch wirkt dagegen „Traum ohne Bilder“, das einen mehrsprachigen Text vorhält. Mantraartig wandelt dieser Track dahin.

Viel Humor steckt dann in dem Projekt PZL. Davon finden sich die Stücke „Wanderniere“ und „Hari Parbat“ auf dem Album. Das Stück „Wanderniere“ aus dem Jahr 1983 hat was von NDW und klingt recht witzig. Dagegen zeigt sich das Stück „Hari Parbat“ aus dem Jahr 2017 von einer ganz anderen Seite. Hier kommt eher wieder Worldmusic, verbunden mit elektronischen Klängen auf.

Etwas verrückt ist dann Dada siegt mit dem Stück „Bat Meets Elephant“. Dieser Track besteht hauptsächlich aus einer Klangkollage, die nach einigen Momenten eine einfach Melodie bekommt.

Mit der Band Sperrfeuer geht es dann wieder in die Punkszene. Das Stück wurde live am 01.08.1981 im Subway in Augsburg aufgenommen und wirkt recht roh.

Abgeschlossen wird das Album dann mit „Shave It“ einem Livemitschnitt der Band General Klickman And The Supermen. Dieser Mitschnitt aus dem Jahr 1994 ist klanglich besser und bietet hypnotischen Rock mit teils schrägen Klängen.

„dawa Ya moto“ von Erdenreich, das eine Werkschau aus Udo Erdenreichs Musikprojekten der Jahre 1981 bis 2021 aufzeigt, ist eine wilde Mischung aus unterschiedlichen Musikstilen. Eroc hat die Stücke dabei ins perfekte klangliche Bild gesetzt (Ausnahme die beiden Livemitschnitte, die etwas abfallen). Und so funktioniert das Album erstaunlicher Weise recht gut und besitzt einen hohen Spannungsbogen.

Stephan Schelle, September 2026

   

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