Sequentia Legenda - Timeless
 

Sequentia Legenda - Timeless
Eigenproduktion www.sequentia-legenda.com / Cyclical Dreams (2025)

(3 Stücke, 60:34 Minuten Spielzeit)

Der französische Elektronikmusiker Laurent Schieber, der als Sequentia Legenda seine Musik veröffentlich, ist bekannt dafür, den Stil von Klaus Schulze am Leben zu halten und weiterzuentwickeln. Seit etwa 2014 veröffentlicht Schieber regelmäßig Alben, bei denen auch schon mal Gastmusiker wie Thomas „Tommy“ Betzler am Schlagzeug saßen. Das neueste Werk „Timeless“, das den Untertitel „Vibrations Of The Heart“ trägt, ist am 19.11.2025 erschienen. Darauf ist Laurent Schieber wieder allein unterwegs.

 

 


Das Cover des vierseitigen Digipaks enthält neben der CD auch noch ein sehr schön gemachtes, achtseitiges Booklet. Das Titelbild ist wieder ein wenig futuristisch, wie für eine Science Fiction-Story gestaltet. Im Booklet enthalten sind Erläuterungen zu jedem Track, von denen ich unten einige Auszüge hinzugefügt habe, da es ganz interessant ist, was sich der Musiker bei der Erstellung seiner Stücke gedacht hat. Wie schon auf einigen früheren Alben, so hat Laurent Schieber erneut drei Stücke darauf platziert. Die Zahl Drei scheint ihn zu bewegen.

Laurent Schieber schreibt dazu auf seiner Bandcampseite: „Timeless“ ist mehr als ein musikalisches Werk – es ist eine Reise durch Klang, eine leuchtende Erkundung des Erbes der Berliner Schule, durchdrungen von Sensibilität und herzlicher Aufrichtigkeit. Durch weitläufige Klanglandschaften und fließende Sequenzen lädt Sequentia Legenda (Laurent Schieber) jeden Zuhörer ein, über die Grenzen der Zeit hinaus in einen Raum der Kontemplation, innerer Resonanz und sanfter Erhebung einzutreten.

Jeder Track entfaltet sich wie ein atmendes Universum: immersiv, introspektiv und strahlend. Die Musik wird zu einer Brücke zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, einem Weg zum Wesentlichen, einer vibrierenden Erfahrung für diejenigen, die sich dafür entscheiden, die Freiheit des inneren Zuhörens anzunehmen. „Timeless“ ist eine Hommage an das Licht, die Liebe und den unendlichen Horizont des Klangs. Und dass Laurent Schieber hier mehr Licht vertont hat, das zeigt sich auch schon an den Titeln der Stücke, von denen zwei das Wort „Light“ beinhalten.

Das Album beginnt mit dem 31minütigen Stück „Celestial Waves Of Light“. Laurent beschreibt den Track im Booklet wie folgt: Die synthetischen Wellen des MS-20, die an einen stellaren Ozean erinnern, vermischen sich mit dem Glockenspiel einer fernen Glocke, die durch die Unendlichkeit widerhallt. Dann, wie aus einer anderen Ebene, taucht eine unerwartete Stimme aus dem Minimoog auf – eine synthetische, fast organische Stimme, zerbrechlich, aber himmlisch, die eine Emotion von anderswo vermittelt.

Das Stück soll eine lebendige Hommage an die universelle Welle, die durch uns alle fließt und sie verbindet, darstellen. Das Stück beginnt mit synthetischem Rauschen, aus dem sich langsam einige Harmonien kristallisieren. Diese verändern sich aber nur sehr langsam und so mäandert das Stück über weite Strecken dahin. Die Sounds erinnern dabei oft an die Musik von Klaus Schulze der 70’er Jahre. Dann kommen ein leichter Rhythmus und auch perlende Klänge auf. Ab der Mitte überdeckt das Rauschen die flächigen Harmonien und Rhythmen ein wenig. Laurent entführt die Hörer damit in eine andere Welt.

Das zweite Stück „Timeless Ethereal Light“ bringt es dann auf 19 ½ Minuten Spielzeit. Laurent schreibt dazu im Booklet: Von der Intuition geleitet, erschien allmählich ein analog strukturiertes Pad auf dem Arturia Jupiter-8, wie eine leuchtende Liebkosung, die die Sequenzen sanft hervorhob – wie ein Schleier der Ewigkeit, der das Stück zu einer neuen Dimension erhebt. Es war weniger eine Ergänzung als ein vibrierendes Gleichgewicht, das die Luft um die Sequenzen herum sanft verdickte und gleichzeitig ihre Klarheit bewahrte. Während des Finales tauchen luftige, unerwartete Pads aus einem zweiten Jupiter-8 auf, die sich wie die letzten Echos eines göttlichen Lichts in den kosmischen Hall einmischten. Der EMS Synthi AKS (VST) fügte seine gewundenen Texturen hinzu und verleiht der Atmosphäre einen Hauch von Geheimnis und kosmischem Atem.

Auch hier rauscht es zunächst und klingt fast wie ein startendes Flugzeug - nur nicht so laut und in etwas helleren Tönen. Dann setzt der Sequenzer ein und auch Harmonien, die fast schon melodisch anmuten, kommen nun auf. Das Stück hat mehr Abwechslung zu bieten wie der Opener, da es mehr Harmonien und Soundwechsel gibt. Nach ein paar Minuten nimmt der Track gar an Fahrt auf und wirkt jetzt recht dynamisch. Dabei erinnern auch hier einige Klänge an Klaus Schulze. Laurent beendet das Stück in den letzten vier Minuten in dem er wieder die Klänge mit einem Rauschen überdeckt. Das wirkt teilweise wie ein Schwarm fliegender, summender Insekten.

Den Abschluss bildet das gut zehnminütige „Love Feeds Love II“, dessen erster Teil in einer dreieinhalbminütigen Fassung auf dem 2023’er Album „Alcyone“ enthalten ist. Das neue Stück ist eine Überarbeitung des früheren Themas und wurde um sechseinhalb Minuten verlängert. Mit diesem letzten Track öffnet Laurent dann den Hörern wieder die Ohren, die ein wenig von den letzten rauschenden Klängen etwas beansprucht wurden. In diesem Stück, das für mich das Highlight des Albums ist, geht Laurent sehr harmonisch und fast melodiös vor. Auch ist die Soundstruktur in den ersten Minuten dieses Tracks klar und transparent. Leider kommen nach gut dreieinhalb Minuten erneut rauschende Klänge auf, die die herrliche Stimmung so ein wenig drücken.

Insgesamt kann man sagen, dass Laurent Schieber aka Sequentia Legenda seinem Stil treu geblieben ist. Allerdings hat er für meinen Geschmack dieses Mal ein wenig zu viel von rauschenden Synthies benutzt, die ein ums andere Mal seine harmonischen Parts überdecken. Für Freunde seiner Musik ist das neue Album aber wieder der richtige Stoff.

Stephan Schelle, Januar 2026

 
   

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