Hans Mike Steffl – Avarage Of The Avarage
 

Hans Mike Steffl – Avarage Of The Avarage
Aural Films (2026)
(7 Stücke, 62:58  Minuten Spielzeit)

Der Elektronikmusiker Hans Mike Steffl aus dem Süden Deutschlands veröffentlichte am 02.09.2026 sein neuestes Album, das den Titel „Avagare Of The Avarage“ trägt. Diesmal thematisiert er die alltägliche Mittelmäßigkeit als bewusste Stellungnahme gegen den modernen Optimierungszwang. Das Paradoxon: Aus mathematischer Sicht wird jemand, der absolut durchschnittlich ist, wieder einzigartig. Die Musik verleiht dem Zustand, einfach nur „okay“ zu sein, eine Stimme.

 


Und Mike Hans Steffl beschreibt es weiter: Warme, melancholische Synthesizer-Pads und hypnotische Sequenzer-Muster hüllen den Hörer ein. Sie verwandeln die schmerzhafte Erkenntnis der eigenen Bedeutungslosigkeit in einen erdenden, inneren Frieden. Die Ambivalenz: Einerseits dient das Album als sicherer Hafen für die Mittelmäßigkeit; andererseits verdeutlicht es auch den ständigen Drang, dieser Mittelmäßigkeit zu entfliehen.

Radikale Akzeptanz bedeutet in der Psychologie, die Realität so anzunehmen, wie sie ist - ohne Bewertung und ohne inneren Widerstand. Dazu zählt auch die Einsicht, im großen Zusammenhang der Welt nur ein kleiner, durchschnittlicher Teil zu sein. Diese Erkenntnis kann schmerzen, aber auch tief erden. Das Album macht Mittelmaß zu einem Schutzraum. Es verzichtet weitgehend auf große Steigerungen, aufdringliche Soli und dominierende Elemente. Stattdessen fließt alles ineinander; die Klänge legen sich wie eine schützende Hülle um den Hörer. Daraus entsteht eine entlastende Botschaft: „Du musst hier nichts beweisen.“

Sieben Stücke mit Laufzeiten von 4:36 bis 13:14 Minuten Spielzeit finden sich auf dem neuen Album, das mit dem fünfminütigen „Repeated Irrelevance“ beginnt. Hier hat Mike Hans schwebende Flächen und eine sanfte Harmonien vereint, die noch nicht ganz eine Melodielinie bilden. Das klingt dynamisch und ambient zugleich.

Weiter geht es mit dem viereinhalbminütigen „Middle Of Nowhere“, das sich wesentlich positiver mit helleren Sounds, Sequenzerrhythmus, Rhythmen aus dem Drumcomputer und melodischen Elementen präsentiert. Im zweiten Teil wird es dann etwas atmosphärischer, sobald die rhythmischen Elemente abflachen und erst zum Ende hin wieder aufkommen.

Fast zehn Minuten ist „Sequenced Avarage“ lang. Das Stück startet mit perlenden Synthesizerklängen und echohaften Effekten. Nach einigen Momenten wechselt es dann in einen rhythmischen Part, der futuristisch und leicht experimentell klingt. Nach vier Minuten wird es dann aber wieder harmonischer. Der Track wechselt mehrfach Struktur, Rhythmus und Harmonien. Darauf folgt mit „Gaussian Dreams“ ein mit elfeinhalb Minuten Spielzeit weiterer Longtrack. Hier schweben zunächst sanfte Klänge aus den Boxen, die mit einer leichten Melodielinie vermischt werden. Dann kommen herrlich hallende Sounds auf, die eine wohlige Stimmung verbreiten. Steffl ändert auch in diesem Longtrack die Klangfarben, Rhythmen und Harmonien, was aber sehr gut funktioniert. Dieser Track versprüht eine hypnotische Wirkung und gehört für mich zu den Highlights des Albums.

Und weiter geht es mit dem nächsten Longtrack, „Invisible Limits“, der es auf mehr als 13 Minuten bringt. Da wabern zunächst die synthetischen Klanggebilde harmonisch durch den Raum. Darauf werden dann weitere Klänge positioniert, was eine eigentümlich entspannende Wirkung hat. Im letzten Drittel kommt dann noch eine Melodielinie auf, die vom Klangbild die „Berliner Schule“-DNA beinhaltet.

Auch „Standard Deviation“ ist mit mehr als zehn Minuten ein weiterer Longtrack. In diesem Stück kommen zu Beginn recht experimentelle Klänge auf, die wabernd umherschwirren. Das mischt Steffl im Verlauf mit perlenden Sounds, so entsteht ein Klanggebilde das mehr auf Stimmungsbildung abzielt. Abgeschlossen wird das Album dann von dem achtminütigen „Slanted Average“. Hier hat Steffl wieder mehr harmonische Klänge eingespielt. Das hat was hymnisches und leicht dramatisches. Ein hypnotisches Stück, das zum Ende hin noch mal gefangen nimmt.

Das neue Album von Mike Hans Steffl ist kein ganz so einfach zu konsumierender Stoff. Auf die Musik sollte man sich einlassen und das Kopfkino einschalten. Wie schon auf dem Vorgänger „Fragments Of A Journey“ finden sich verschiedene Stimmungsbilder auf dem Album, bei dem sich Harmonien und auch mal disharmonische Passagen die Hand reichen. Wer sich aber darauf einlässt, kann in einen hypnotischen Sog gezogen werden.

Stephan Schelle, September 2026

 
   

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