Martha Rabbit - Kosmotron
 

Martha Rabbit - Kosmotron
Eigenvertrieb (2026)

(5 Stücke, 42:53  Minuten Spielzeit)

Martha Rabbit, das sind Michael J.J. Allert und Wolfgang Rohdenburg aus Bremen. Die beiden haben im Jahr 2004 ihr Debütalbum „Akaba“ herausgebracht. Seither sind fünf Alben des Elektronikduos veröffentlicht worden. Am 12.06.2026 erscheint nun ihr sechstes Album das den Titel „Kosmotron“ trägt. Entstanden sind die Stücke in der Zeit von 2024 bis 2025.

 


Mir lag zur Besprechung die CD vor, die in einem vierseitigen Papersleeve erscheint. Die Stücke sind in eine A- und eine B-Seite unterteilt, was darauf schließen lässt, dass das Album auch auf Vinyl erscheinen könnte.

Auf der A-Seite finden sich drei Stücke, beginnend mit dem 9:40minütigen „Path Of The Third Sun“. Mit mystischen Klängen startet das Duo in diesen Track. Nach nicht ganz einer Minute kommt ein Sequenzerrhythmus auf der sich unter die flächigen Klänge mischt. Das geht auch ein wenig in Richtung der „Berliner Schule“, besitzt aber genug eigene Handschrift. Die beiden mischen weitere Klänge in diesen Sound und es entwickelt sich eine Melodielinie, die durch Sounds aus dem Mellotron/Memotron einen leicht asiatischen Touch bekommt. Das wirkt aber nur kurz. Rhythmisch mäandert das Stück über weite Strecken dahin. Immer wieder fügen die beiden dann Harmonien, Klänge und Rhythmen ein, die das Ganze spannend halten.

Das fünfeinhalbminütige „KBO Arrokoth“ wirkt mystisch. Das liegt an den Klängen die hier mit Schlagzeugrhythmen versehen sind. Dumpfe, pianoartige Klänge, die eingeworfen werden, erzeugen darüber hinaus eine etwas unheimliche Stimmung. Dies zieht sich auch durch das Stück, denn die Sounds und die Stimmung würden sich auch für einen Thriller als Soundtrackuntermalung eignen.

Ein Schlagzeugrhythmus und elektronische Klänge, die an Electropop und New Wave erinnern, starten das siebenminütige Stück „Blanpain“. Das Stück zeigt sich - vor allem durch den Rhythmus - recht rockig. Darauf werden dann elektronische Sounds und nach etwas mehr als einer Minute eine Melodie gelegt. Das verströmt ein Flair der späten 80'er / frühen 90'er Jahre.

Die B-Seite beginnt mir dem sechsminütigen „Somber Probe“. In diesem Stück bewegt sich das Duo dann wieder im Umfeld der „Berliner Schule“. Flächige Harmonien auf die rhythmische Synthesizerklänge gelegt sind, bestimmen hier das Bild.

Als letztes findet sich dann der 15minütige Longtrack „Kosmotron“ auf dem Album. Es beginnt mit perlenden Synthesizerklängen. Langsam schälen sich Harmonien bzw. Melodiebögen heraus und werden von einem sanften aber stetigen Rhythmusmuster unterlegt. Im Mittelteil kommt dann eine Solopassage auf, die eine leicht jazzige Note trägt. zum Ende hin wird das Stück dann sphärisch/spacig ausgeblendet.

Mehr als vier Jahre, nachdem Martha Rabbit auf ihrem Album „Phonolith“ ihre rein elektronischen Pfade um Krautrock, symphonischen Rock und Electropop erweitert haben, kehren sie weitestgehend wieder zu den Ursprüngen zurück. Allerdings finden sich krautige, symphonische und electropopartige Klänge auch in ihren neuen Stücken. Das macht die sie besonders spannend, aber auch außergewöhnlich und manchmal nicht ganz einfach zu konsumieren. Man sollte sich daher Zeit beim Hören lassen.

Stephan Schelle, Juni 2026

 
   

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